Kibbuz

  • Freienstein 1938 (Quelle: Spuren im Vest, Fred Zimmak)
    Hachschara auf Gut Freienstein bei Stettin im Sommer 1938 (Fred Zimmak)

1932: Dr. Günther Jaffé und seine Ehefrau Hedwig aus Berlin-Charlottenburg kaufen das Gut Freienstein bei Pampow/Stolzenburg (Kreis Randow, Nähe Stettin) von Bankdirektor Johannes Semmelhack aus Stettin

1936: Ursula Joel, Hildegard Kraft und Dora Krisch in Freienstein als „Haustöchter“ im Haushalt der Jaffés; alle drei sind Mitglied im Bund Jüdische Jugend Stettin

10.7.1937: offizielle Eröffnung der Hachschara-Ausbildungsstätte „Hachschara-Kibbuz Freienstein“ mit 27 Plätzen [Hachschara = landwirtschaftliche, gärtnerische, handwerkliche oder hauswirtschaftliche Ausbildung in Vorbereitung auf eine Auswanderung nach Palästina]; Träger ist der zionistische Sportverein Makkabi bzw. der zionistische Jugendbund Makkabi-Hazair [Zionismus = das Streben nach einem unabhängigen jüdischen Staat]

Kleiner Textbeitrag aus einer Zeitung
Israelitisches Familienblatt, 14.7.1938: Zum Jubiläum kommen aus Stettin Vertreter der Reichsvertretung, der Jüdischen Gemeinde sowie der WIZO und aus Berlin Vertreter der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, des Makkabi und des Makkabi Hazair (Quelle: Goethe Universität Frankfurt am Main)
Tabelle zur Rubrik "Landwirtschaft und Gärtnerei", die Ausbildungsorte, einweisende Organisationen und Ausbildungsplätze auflistet
Ausbildungsstätten am 1.8.1938 (Quelle: Almanach des Schocken Verlags 5699 – 1938/39, Statistische Tabellen)

Bisher läßt sich der Aufenthalt folgender jugendlicher Chawerim/Chawerot [= Kameraden/Kameradinnen] in Freienstein sicher nachweisen (es ist davon auszugehen, dass noch weitere Jugendliche zwischen 1936 und 1938 in Freienstein ausgebildet wurden; sichere Nachweise liegen bisher hierfür noch nicht vor):

10.11.1938: Novemberpogrom auf dem Gut Freienstein; alle jüdischen Auszubildenden und die Eigentümerfamilie Jaffè werden verhaftet, nach Stettin ins Gefängnis gebracht und in „Schutzhaft“ genommen; am nächsten Morgen werden die Jungen und Männer ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, die Mädchen und Frauen werden freigelassen

„Beim jüdischen Besitzer Dr. Jaffé wurde Feuer angelegt. Geringer Sachschaden, Brand wurde verhindert. 27 Juden wurden in Schutzhaft genommen, davon wurden 10 weibliche Personen wieder entlassen. Mit der Verwaltung des Besitzes wurde ein Verwalter aus Löcknitz beauftragt.“ (Lagemeldung der Schutzpolizei Stettin vom 11.11.1938)

12.11.1938: Ankunft im KZ Sachsenhausen; Helmut Baum, Lothar Glogauer, Gerhard Herzog und Günther Jaffé sowie sein Sohn Hans werden dem Block 62 zugewiesen (dem sogenannten „Kleinen Lager“, in dem die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren)

12.12.1938: nach vier Wochen Haft wird Günther Jaffé zusammen mit Helmut Baum, Lothar Glogauer und Gerhard Herzog aus dem KZ entlassen

Dokument mit einer Liste aus dem KZ Sachsenhausen, in der Liste sind 23 zu entlassende Juden mit Häflingsnummer, Name, Vorname und Geburtsdatum erfasst
Entlassungen aus dem KZ Sachsenhausen am 12.12.1938 (Quelle: Arolsen Archives)

28.12.1938: Hans Jaffé wird erst 2 Wochen später aus dem KZ entlassen

25.2.1939: Gut Freienstein wird zwangsverkauft und in der Siedlungssache Freienstein durch die Pommersche Landgesellschaft aufgesiedelt

10.3.1939: die Reichsvertretung der Juden in Deutschland bittet um Wiedereröffnung der Umschichtungsstelle auf dem Restgut Freienstein

Brief an die Pommersche Landgesellschaft auf dem Briefkopf der Reichsvertretung der Juden in Deutschland
Schreiben von Dr. Conrad Cohn, Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, Abt. Berufsausbildung und Berufsumschichtung; am 24.3.1939 lehnt die Pommersche Landgesellschaft die Anfrage schriftlich ab (Quelle: Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern – Standort Greifswald, Siedlungssache Freienstein Rep. 81b/1113)

3.4.1939: Günther Jaffé flieht mit seiner Ehefrau Hedwig und seiner Mutter Helene nach Caracas, Venezuela zu seinem Bruder Prof. Rudolph Jaffé, einem renommierten Pathologen

14.4.1939: die Bezirksstelle für Berufsausbildung und Berufsumschichtung Pommern, Mecklenburg und Restbezirk Grenzmark möchte Inventar und Gerätschaften der Umschichtungsstelle abholen lassen

Brief mit dem Betreff "Umschichtungsstelle Freienstein" auf dem Briefkopf der Bezirksstelle für Berufsausbildung und Berufsumschichtung
Schreiben der Bezirksstelle für Berufsausbildung und Berufsumschichtung Pommern, Mecklenburg und Restbezirk Grenzmark mit Sitz in Stettin, Rosengarten 9-10 an die Gutsverwaltung Freienstein (Quelle: Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern – Standort Greifswald, Siedlungssache Freienstein Rep. 81b/1113)

8.5.1939: das Inventar des Umschulungslagers soll durch die Synagogengemeinde Stettin abgeholt und in das Hachschara-Lager Gut Winkel nach Spreenhagen gebracht werden (Gut Winkel wird 1941 geschlossen)

Abschrift eines Briefes mit den Stempeln "Abgesandt 4. Mai 1939" und gez. Dr. Engler"
Schreiben der Pommerschen Landgesellschaft an den Restgutbesitzer Herbert Unger vom 3.5.1939 (Quelle: Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern – Standort Greifswald, Siedlungssache Freienstein Rep. 81b/1113)
QUELLEN