Helmut Baum

Helmut Lothar Baum
* 22.12.1913 (Waltrop) – ✡ 17.7.2000 (Malmö, Schweden)
Stationen: Waltrop, Dortmund, Berlin, Freienstein, Dänemark, Schweden

  • Hindenburg-Gymnasium in Dortmund, danach Ausbildung zum Textilkaufmann; Helmut Baum führt das Textilgeschäft der Eltern in Waltrop bis es wegen der Boykottmaßnahmen aufgegeben werden muss; danach Haustürgeschäfte
  • 1938: Helmut Baum geht nach Berlin und tritt in den Hechaluz ein
  • 14. August 1938: zur Hachschara nach Freienstein
Foto einer Gruppe junger Erwachsener, im Hintergrund die Brennerei von Freienstein
Chawerim vor der Brennerei in Freienstein, 1938; vorn rechts vermutlich Helmut Baum (Quelle: Aus dem Fotoalbum Glogauer, JDK207B70, The Danish Jewish Museum)
  • 10. November 1938, Novemberpogrom: Helmut Baum wird zusammen mit den anderen Jugendlichen der jüdischen Ausbildungsstätte und der Eigentümerfamilie des Gutes Freienstein verhaftet und ins Polizeigefängnis nach Stettin transportiert; am nächsten Morgen werden die Mädchen und Frauen entlassen und nach Berlin geschickt, die Jungen und Männer werden ins KZ Sachsenhausen verschleppt; Helmut erhält die Häftlingsnummer 11331 und wird dem Block 62 zugewiesen (dem sogenannten „Kleinen Lager“, in dem die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren)

„Ich war dort mit 25 Chaverim zur Ausbildung. An diesem Abend, dem 10. November 1938, wurden wir durch die SA überfallen… Auf dem Hof.
Wir wurden auf Lastwagen geladen und ins Gefängnis nach Stettin gebracht. Dort verbrachten wir eine Nacht und am nächsten Morgen wurden wir zum Bahnhof gebracht, um von dort an einen uns unbekannten Ort transportiert zu werden. Es dauerte lange, bis wir schließlich nachts in Sachsenhausen/Oranienburg in der Nähe von Berlin ankamen.
Wir wurden auf dem Appellplatz versammelt und standen dort die halbe Nacht, bis wir geduscht wurden, die Haare geschoren bekamen und in Häftlingskleidung gesteckt wurden.
Als Erstes mussten wir schwere und sinnlose Erd- und Steinarbeiten zum Bau eines Kanals verrichten. Wir waren jung und konnten das aushalten. Aber die Älteren starben einer nach dem anderen.
Während dieser Zeit war das Essen streng rationiert. Aber trotzdem ausreichend, damit wir überlebten. Anders als bei den länger Inhaftierten, die uns um Essen anbettelten.
Nach einigen Wochen erfuhren wir, dass diejenigen, die ein Visum für die Ausreise bekamen, freigelassen werden konnten. So geschah es, dass unsere Organisation in Berlin, der Hechaluz, für uns 25 Mann Visa nach Dänemark beschaffte.“ (Helmut Baum, 1997, aus dem Schwedischen übersetzt)

Dokument mit einer Liste aus dem KZ Sachsenhausen, in der Liste sind 23 zu entlassende Juden mit Häflingsnummer, Name, Vorname und Geburtsdatum erfasst
Helmut Baum wird am 12.12.1938 nach 4 Wochen Haft aus dem KZ Sachsenhausen entlassen. Am gleichen Tag werden auch Günther Jaffé und die Freiensteiner Chaverim Bernd Drucker, Joachim Gedalje, Lothar Glogauer, Gerhard Herzog, Fritz Löwenstein, Werner Manasse, Heinz Mosse und Kurt Neuwald entlassen. (Quelle: Arolsen Archives)
  • 22./23. Februar 1939: zur Hachschara nach Fünen, Dänemark; dort Ausbildung als Viehzüchter; Bruder Werner Baum ist bereits seit Januar 1939 mit der orthodoxen Jugendorganisation BaChaD zur Hachschara in Schweden
  • April 1940: Deutsche Besatzung Dänemarks
  • September 1943: Adolf Hitler befiehlt die „Endlösung der Judenfrage“ in Dänemark
  • 14.10.1943: Flucht von Dänemark nach Schweden zusammen mit seiner Verlobten Natalie Tisch (im Oktober 1943 gelingt vor allem mit Hilfe dänischer Fischer über 7.700 Juden die Flucht aus Dänemark über die Ostsee nach Schweden, darunter die Freiensteiner Bernd Drucker, Joachim Gedalje, Lothar Glogauer, Gerhard Herzog, Martin Lange, Edith und Fritz Löwenstein, Werner Manasse, Kurt Neuwald, Heinz Schloss und Fritz Wolff)
ausgefülltes Formular in schwedischer Sprache mit einem Passbild von Helmut
Helmut Baum flieht mit einem Fischkutter von Smidstrup in Dänemark nach Höganäs in Schweden (Quelle: safe-haven.dk)
  • zunächst ins Übergangslager des Hechaluz nach Hässleholm
handschriftlich ausgefüllte Seite aus dem Heiratsregister in schwedischer Sprache
17. Februar 1944: Helmut Baum heiratet in Övraby Natalie Tisch (Quelle: Ancestry)
Dokument mit einer Liste "Alte Chawerim" mit über 50 Namen, Vornamen, Geburtsdaten, Geburtsorten und Nationalitäten
Helmut Baum und Ehefrau Natalie auf der Liste der Bewohner des Lagers Hässleholm, 1945; auch auf der Liste Martin Ismar Lange und Fritz Wolff (Quelle: Arolsen Archives/Ancestry)
  • Arbeit als Viehzüchter, später im Gartenbau und in der Gastronomie; Ausbildung zum Verkäufer für orthopädische Einlagen – in diesem Beruf arbeitet Helmut Baum dann 15 Jahre; später Vertrieb von Sammelbildern für Kinder und Produktion der Sammelbilder im eigenen Unternehmen bis 1979
Die ehemaligen Chawerim Helmut Baum, Gerhard H. Herzog und Kurt Neuwald geben eine Eidesstattliche Versicherung ab, gemeinsam auf dem Gut Freienstein verhaftet worden zu sein. Silkborg/Dänemark, 6.8.1956; 1964 bezeugt dies auch Heinz Steen Smedal (Quelle: Landesarchiv Berlin, BRep 078-2144)
Offenbar bleiben die ehemaligen „Freiensteiner“ miteinander in Verbindung: 1956 gibt Joachim Rudi Gendal, ehemals Gedalje, eine Eidesstattliche Versicherung ab, auf dem Gut Freienstein verhaftet worden zu sein. Die ehemaligen Chawerim Helmut Baum, Gerhard H. Herzog und Kurt Neuwald bezeugen das. (Quelle: Landesarchiv Berlin, BRep 078-2144)
  • 17.7.2000: Helmut Baum stirbt im Alter von 86 Jahren in Schweden

FAMILIE

  • Großeltern Baum: Levi Yehuda (später Lothar) Baum * 25.6.1841 (Mengede) – ✡ 15.10.1913 (Mengede); verh. mit Jeannette (Netta) Baum * 25.6.1848 (Huckarde) – ✡ 13.9.1918 (Mengede); Heirat im Juni 1873 in Mengede
  • Großeltern Bendix: Joseph Bendix * 24.8.1847 (Billerbeck) – ✡ 28.4.1921 (Dortmund); verh. mit Bertha Meyer * 13.8.1854 (Bochum) – ✡ 30.7.1930 (Dortmund); Heirat im März 1887 in Bochum
  • Vater: Jakob Baum * 17.3.1878 (Mengede) – ✡ 13.6.1938 (Waltrop)
  • Mutter: Martha [Marta] Bendix * 29.4.1889 (Dortmund); ✡ vor dem 8.5.1945 (Ghetto Riga/heute Lettland); Heirat 2.8.1912
  • Bruder: Werner Baum/Menachem Alon; * 3.7.1915 (Waltrop) – ✡ 2.2.2006 (Kvutzat Yavne, Israel); verh. mit Rosa Lieber * 20.10.1915 – ✡ 6.3.2008
  • Bruder: Günter Baum/Gedeon Alon * 22.12.1918 (Waltrop) – ✡ 16.10.1972 (Kiryat Motzkin, Israel); verh. mit Franca Hirsch * 26.5.1926 (Elsass/heute Frankreich) – ✡ 16.11.2020 (Israel)
  • 1. Ehefrau: Natalie Tisch * 2.9.1919 (Wien) – ✡ 30.6.2014; Heirat am 17.2.1944 in Övraby (Kristianstad), Schweden; 1968 Scheidung
  • 2. Ehefrau: Ottilie Wintersberger * 3.9.1931 – ✡ 10.7.2000 (Dillingen); Heirat 1979
  • Onkel: Albert/Abraham Baum * 8.5.1874 (Mengede) – ✡ 6.2.1936 (Mengede); verheiratet mit Minna Oppenheim * 23.8.1885 (Velmede) – ✡ 29.8.1960 (Pennsylvania, USA)
  • Tante: Sophie Baum * 26.4.1882 (Mengede) – ✡ 1942 (Ghetto Riga); verh. mit Oppenheim; 2. Ehe mit Jyan Lowenstein
  • Onkel: Max Baum * 23.10.1890 (Mengede) – ✡ 10.5.1972 (Bonn)
QUELLEN

Vielen Dank an Marlin Mäbert und Henriko Sagert

  • Porträtfoto Helmut Baum, 1943 (Quelle: safe-haven.dk)