verheiratete Ruth Pless [Ruth Berta Kirschner / Rut Kirshner]
* 11.1.1918 (Berlin) – ✡ 22.8.2010 (Shavei Zion, Israel)
Stationen: Berlin, Freienstein, Dänemark, Israel
- Mitglied im Makkabi; Ruth Kirschner lernt dort auch Hebräisch
- April 1934: nach Beendigung der Schule als Volontärin bei der Jüdischen Gemeinde Berlin
- April 1936 bis 1. September 1938: nach zwei Jahren Ausbildung als Sekretärin bei der Jüdischen Gemeinde Berlin angestellt
- August 1938: Bewerbung um ein Zertifikat für die Ausreise nach Palästina bei der zionistischen Frauenorganisationen WIZO (Women’s International Zionist Organisation)

- Oktober 1938: mit dem Hechaluz zur Hachschara nach Freienstein
- 10.11.1938, Novemberpogrom:
„In der Kristallnacht befand ich mich auf einem Ausbildungsbauernhof in Norddeutschland – einem jüdischen Hof namens Freienstein, nicht weit von Stettin entfernt. Wir waren dort als Gruppe, und in der Kristallnacht wurden wir angegriffen. Die SS, S.A. – ich weiß es nicht. Ich glaube, aus dem Dorf. Es war ein kleines Dorf. In derselben Nacht holte uns die Polizei heraus – vielleicht um uns zu schützen – und brachte uns in ein Gefängnis in Stettin, dem nahegelegenen Städtchen. Doch am nächsten Morgen schickten sie die jungen Männer direkt ins Konzentrationslager Sachsenhausen, das in der Nähe von Berlin liegt. Und die Mädchen wurden nach Hause geschickt. … Wir hatten alle Angst.“ (Ruth Pless, 1997, aus dem Hebräischen übersetzt)
- Ruth Kirschner wird zusammen mit den anderen Juden auf Gut Freienstein verhaftet und ins Gefängnis nach Stettin gebracht; am nächsten Morgen werden die Jungen und Männer ins KZ Sachsenhausen transportiert, die Mädchen und Frauen werden nach Hause geschickt; Ruth Kirschner fährt zurück nach Berlin
- 15. März 1939: mit dem Hechaluz zur Hachschara nach Flemlöse auf Fünen, Dänemark, wo sie andere Jugendliche aus Freienstein wiedertrifft; Ruth Kirschner arbeitet im Haushalt des Bauern Peter Petersen
- Ende 1939: Flucht „mit einer Gruppe von Wizo-Zöglingen von Kopenhagen nach Stockholm, von dort mit dem Flugzeug nach Riga, von Riga mit Eisenbahn nach Odessa über Moskau … dann Schiffsfahrt über das Schwarze Meer nach Istanbul … dann Weiterfahrt mit der „Transsylvania“ nach Haifa, wo ich am 9. Januar 1940 eintraf.“
- 2 Jahre Hachschara in der landwirtschaftlichen Mädchenschule der Wizo in Ajaneth bei Tel Aviv; danach Siedlungsanwärterin in der landwirtschaftlichen Kooperative Shavei Zion
- September 1942: heiratet Ernst Meir Pless; beide leben in Shavei Zion, Ruth Pless arbeitet im Gemüsegarten, Weinberg, Lebensmittelladen und Hotel Beit Hava
- 1945 und 1949: Geburt der Söhne Aryeh und Yehezkel-Yoram
- 2010: Ruth Pless stirbt im Alter von 92 Jahren

FAMILIE
- Großeltern Kirschner: Aron Ben Moshe Kirschner * 2.3.1827 (Beuthen/heute Byton, Polen) – ✡ 14.8.1911 (Berlin); verh. mit Bertha Böhm * 1829 (Guttentag/heute Dobrodzień, Polen) – ✡ 29.11.1879 (Beuthen); Heirat im März 1853 in Beuthen
- Großeltern Schönberger: Zemach Schönberger * 1852 (Lettland) – ✡ 1906 (Potsdam); verh. mit Bertha Friedland * ca. 1851 (Tauroggen/heute Tauragė, Litauen) – ✡ 17.2.1926 (Berlin)
- Vater: Adolf Abraham Kirschner * 31.7.1870 (Beuthen/heute Bytom, Polen – ✡ 14.2.1944 (Ghetto Theresienstadt)
- Mutter: Rosa Schönberger * 17.7.1877 (Czarnikau/heute Czarnków, Polen) – ✡ 7.3.1944 (Ghetto Theresienstadt); Heirat im Juni 1905
- Onkel: Herman Hirschel Kirschner * 28.2.1854 (Rokittnitz/heute Rokitnica, Polen) – ✡ 1925 (Berlin); verh. mit Sara Moses * 28.2.1858 (Rosenberg/heute Susz, Polen) – ✡ 25.10.1923 (Berlin); Heirat im Oktober 1881 in Berlin
- Onkel: Max Kirschner * 10.9.1855 (Rokittnitz) – ✡ 23.11.1935 (Berlin)
- Onkel: Emanuel Menachem Ben Aron Kirschner * 15.2.1857 (Rokittnitz) – ✡ 28.9.1938 (München); verh. mit Ida Bühler * 22.1.1862 – ✡ 4.6.1942 (München)
- Onkel Joseph Kirschner: * März 1858 – ✡ 17.8.1858 (Beuthen)
- Tante: Selma Kirschner * 14.4.1859 – ✡ 10.8.1922 (Berlin); verh. mit Ignatz Thoman * 13.5.1861 (Szobrancz, Ungarn/heute Sobrance, Slowakei) – ✡ 10.10.1939 (Berlin); Heirat im Mai 1934 in Bratislava, Slowakei
- Onkel: Jakob Kirschner * 2.7.1860 (Rokittnitz) – ✡ 27.1.1937 (Berlin)
- Onkel: Moses Kirschner * Juli 1861 (Beuthen) – ✡ 3.1.1963 (Beuthen)
- Onkel: Markus Kirschner * 1862
- Onkel: Daniel Kirschner * 25.1.1864 (Beuthen) – ✡ 22.10.1939 (Berlin); verh. mit Minna Cohn * 27.3.1863 (Märkisch Friedland/heute Mirosławiec, Polen) – ✡ 13.12.1942 (Ghetto Theresienstadt); Heirat im April 1891 in Berlin
- Onkel: Benjamin Kirschner * 1865 – ✡ 1927 (München)
- Onkel: Wilhelm Kirschner * 26.3.1867 (Beuthen) – ✡ 29.9.1942 (KZ Treblinka)
- Onkel: Abraham Kirschner * 1870 – ✡ 14.2.1944 (KZ Treblinka)
- Onkel: Theodor Schönberger * Januar 1874 (Kosten/heute Kościan, Polen) – ✡ 10.2.1945 (Australien)
- Onkel: Julius Schönberger * 26. Dezember 1874 (Czarnikau) – ✡ 26.12.1958 (Berlin); verh. mit Betty Pincus * 26.11.1884 (Filehne/heute Wieleń, Polen) – ✡ 15.7.1956 (Berlin); Heirat im Januar 1910 in Deutsch-Wilmersdorf
- Tante: Johanna Schönberger * 1878 (Czarnikau)
- Tante: Lena Schönberger * 1880 (Czarnikau)
- Tante: Ida Schönberger * Januar 1882 (Potsdam) – ✡ 1978 (Nahariya, Israel)
- Ehemann: Ernst Meir Pless * 15.7.1913 (Mülheim an der Ruhr) – ✡ 29.9.1972 (Shavei Zion, Israel)
QELLEN
Vielen Dank an Micaela Haas und Henriko Sagert
- Ancestry
- Arolsen Archives
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Stolpersteine
- BillionGraves
- Deutsches Zeitungsportal
- Find a Grave
- Gedenken an den 9. November 1938
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
- Geni
- Landesarchiv Berlin
- Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), Entschädigungsbehörde
- Mapping the Lives
- Památník Terezín
- Shavei Tzion Archives
- USC Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education
- Porträtfoto Ruth Kirschner (Quelle: USC Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education)
