Joachim Rudi Gedalje; ab 1948 Joachim Rudi Gendal
* 9.5.1920 (Berlin) – ✡ 2.2.2011 (Hellerup, Dänemark)
Stationen: Berlin, Freienstein, Dänemark, Schweden
- April 1930: nach Besuch der 161. Volksschule Einschulung ins Königstädtische Realgymnasium Berlin; Joachim Gedalje musste als Jude das Gymnasium verlassen, deshalb nur Schulabschluß an der Mittelschule der Jüdischen Gemeinde
- 1.8.1934 – 31.3.1937: Ausbildung in der Damenkonfektion „A. Hahn – Damenmäntel“ in Berlin
- bis 30.6.1938: nach Abschluß der Ausbildung dort Lagerist und Verkäufer bis zur Arisierung und Entlassung aller jüdischen Angestellten
- 1.11.1938: zur Hachschara nach Freienstein
- 10.11.1938, Novemberpogrom in Freienstein:
„Am 10. November 1938 wurden wir von der örtlichen Bevölkerung überfallen und von der Polizei in Schutzhaft genommen. Zusammen mit meinen Kameraden wurde ich in das KZ Sachsenhausen überführt.
Es gelang den zionistischen Verbänden uns Lehrplätze in Dänemark zu verschaffen und am 12. Dezember 1938 wurde ich unter der Bedingung Deutschland schnellstens zu verlassen, aus dem KZ entlassen.“ (Joachim Gedalje, 1958)
- Joachim Gedalje wird zusammen mit den anderen Jugendlichen der jüdischen Ausbildungsstätte und der Eigentümerfamilie des Gutes Freienstein verhaftet und ins Polizeigefängnis nach Stettin transportiert; am nächsten Morgen werden die Mädchen und Frauen entlassen und nach Berlin geschickt, die Jungen und Männer werden ins KZ Sachsenhausen verschleppt; Joachim Gedalje erhält die Häftlingsnummer 11338 und wird dem Block 62 zugewiesen (dem sogenannten „Kleinen Lager“, in dem die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren)

- 10.2.1939: mit Hilfe des Hechaluz als landwirtschaftlicher Eleve (Gehilfe) zur Hachschara nach Dänemark (kein Lohn; Kleidung und Taschengeld zahlt die zionistische Organisation in Kopenhagen); Arbeit bei Landwirt Find Findsen in Bukkerup bei Glamsbjerg auf Fünen
- April 1940: Deutsche Besatzung Dänemarks
- 13.10.1943: Flucht nach Schweden (im Oktober 1943 gelingt vor allem mit Hilfe dänischer Fischer über 7.700 Juden die Flucht aus Dänemark über die Ostsee nach Schweden, darunter die Freiensteiner Helmut Baum, Bernd Drucker, Lothar Glogauer, Gerhard Herzog, Martin Lange und Fritz Wolff)

- in Schweden Unterbringung in Flüchtlingslager, danach Arbeit in der Landwirtschaft (wieder ohne Lohn, das Taschengeld zahlt hier der Arbeitgeber)

- 15.1.1945: Beginn einer Ausbildung als Kürschner (Pelzherstellung) bei „Päko“ in Stockholm
- Mai 1945: nach Kriegsende Rückkehr nach Dänemark
- Hilfsarbeiter bei „Kürschner Skaarup Bertelsen“ in Kopenhagen

- 1982: Bernd A. Drucker erhält Vollmacht zur Vertretung in Wiedergutmachungssachen; offenbar bleiben die ehemaligen „Freiensteiner“ lebenslang miteinander in Verbindung
- 2.2.2011: Joachim Rudi Gendal stirbt im Alter von 90 Jahren in Dänemark

FAMILIE
- Großeltern Gedalje: Oskar Gedalje; verh. mit Amalie Wittenberg * 20.4.1964 (Neustadt) – ✡ 2.12.1941 (Berlin)
- Großeltern Davidsohn: Jakob Davidsohn; verh. mit Caecillie Davidsohn
- Vater: Max Gedalje * 16.6.1892 (Berlin) – ✡ 5.8.1937 (Berlin)
- Mutter: Jenny Davidsohn * 25.9.1884 (Neumark/heute Nowe Miasto Lubawskie, Polen) – 1941 Deportation nach Minsk, ✡ vor 8.5.1945; Heirat im Mai 1919
- Ehefrau: Else M. Gendal * 1.2.1921 – ✡ 6.11.1986
QUELLEN
- Arolsen Archives
- BillionGraves
- Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
- Landesarchiv Berlin
- Mapping the Lives
- safe-haven.dk
- USC Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education
- Wikipedia
