Heinz Mosse

* 18.10.1915 in Stolp/heute Słupsk, Polen – ✡ 2016 (Kirjat Bialik, Israel)
Stationen: Stolp, Marienburg, Freienstein, Dänemark, Schweden, Israel

  • Besuch des Gymnasiums in Stolp/heute Słupsk, Polen
  • 1932-1935: Lehrling im Kaufhaus „M. Conitzer & Söhne“ in Marienburg/heute Malbork, Polen; danach Verkäufer im selben Kaufhaus bis zu dessen Arisierung
  • 1935-1938: absolviert zur Verbesserung der Auswanderungschancen eine dreijährige Ausbildung zum Tischler bei „Decker & Blau, Möbelfabriken Stolp in Pommern“; der Abschluß der Ausbildung mit einer Gesellenprüfung ist ihm als Jude versagt
  • Mitglied im Hechaluz und Maccabi Hatzair
  • Januar 1938: zur Hachschara nach Freienstein, wo er zum Sekretär der Freiensteiner Ausbildungsgruppe gewählt wird
Eine Gruppe von jungen Männern mit Harken
Hachschara auf Gut Freienstein bei Stettin im Sommer 1938: 2. von links Heinz Mosse (Quelle: „Erinnerung im Wohnzimmer“, YouTube)
  • 10. November 1938, Novemberpogrom:

„Am Abend … wurde das Gut Freienstein, in welchem ein Ausbildungslager für junge jüdische landwirtschaftliche Schüler untergebracht war, von einer großen Anzahl S.A. Mitglieder nach mehrstündiger Belagerung überfallen. Nach dazwischenkommen der örtlichen Polizeibehörden wurden alle landwirtschaftlichen Schüler in Schutzhaft genommen.“ (Heinz Mosse, 1957)

  • Heinz Mosse wird zusammen mit den anderen Jugendlichen der jüdischen Ausbildungsstätte und der Eigentümerfamilie des Gutes Freienstein verhaftet und ins Polizeigefängnis nach Stettin transportiert; am nächsten Morgen werden die Mädchen und Frauen entlassen und nach Berlin geschickt; die Jungen und Männer werden ins KZ Sachsenhausen verschleppt; Heinz Mosse erhält die Häftlingsnummer 11336 und wird dem Block 62 zugewiesen (dem sogenannten „Kleinen Lager“, in dem die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren); als gelernter Tischler muß Heinz Mosse tagsüber außerhalb des Konzentrationslagers auf der Baustelle eines Klinkerwerkes arbeiten – vermutlich im SS-eigenen „Großziegelwerk Oranienburg“
Dokument mit einer Liste aus dem KZ Sachsenhausen, in der Liste sind 23 zu entlassende Juden mit Häflingsnummer, Name, Vorname und Geburtsdatum erfasst
Heinz Mosse wird am 12.12.1938 nach 4 Wochen Haft aus dem KZ entlassen. Am gleichen Tag werden auch Günther Jaffé und die Freiensteiner Chaverim Helmut Baum, Bernd Drucker, Joachim Gedalje, Lothar Glogauer, Gerhard Herzog, Fritz Löwenstein und Kurt Neuwald entlassen. (Quelle: Arolsen Archives)
  • Januar 1939: vermittelt durch das Palästina Amt kann Heinz Mosse – und ein Großteil der Freiensteiner Auszubildenden – mit einem Visum für die Arbeit in der Landwirtschaft nach Dänemark fliehen und arbeitet auf einem Bauernhof bei Glamsbjerg auf Fünen
  • die Geschwister waren bereits zuvor aus Deutschland geflohen: Bruder Kurt und Schwester Alice nach Palästina, Schwester Vera nach England; die Eltern folgen 1940 nach Palästina
  • April 1940: Deutsche Besatzung Dänemarks
  • Heinz Mosse wird in Kopenhagen Sekretär der Alija-Vorbereitung des Hechalutz für ungefähr 360 Hachschara-Teilnehmer in ganz Dänemark
  • nachdem sich die politische Lage für Juden auch in Dänemark immer mehr verschlechtert, sucht Heinz Mosse einen Ausweg und flieht aus Kopenhagen zunächst auf die abgelegene dänische Ostseeinsel Bornholm
  • 1. April 1943, von Bornholm aus Flucht nach Schweden: mit 8 weiteren Chaluzim gelingt die nächtliche Überfahrt in einem Fischerboot von Bornholm nach Simrishamn in Schweden; diese Flucht wird beispielhaft für die große Massenflucht im Oktober 1943, bei der sich über 7.700 deutsche und dänische Juden über die Ostsee nach Schweden retten können
  • in Schweden zunächst im Hechaluz-Übergangslager in Hässleholm; danach Arbeit als Tischler bei der Firma Nordiska Kompaniet, Nyköping
  • nach dem Krieg Rückkehr nach Dänemark
Seite aus dem Fremdenpass mit Passbild
Dänischer Fremdenpass für Heinz Mosse vom 17.10.1945 (Quelle: Entschädigungsakte Heinz-Mosse Saarburg 114640)
  • Frühjahr 1948: über Frankreich mit dem Schiff „Providence“ nach Israel
  • 1948/49: Dienst in der israelischen Armee
  • danach Arbeit als Tischler; ab 1952 betreibt Heinz Mosse eine eigene Tischlerei in Haifa
  • 2016: Heinz Mosse stirbt im Alter von 101 Jahren Kirjat Bialik, Israel

FAMILIE

  • Großeltern Mosse: Moritz Moses/Mosse; verh. mit Flora Flatauer
  • Vater: Raphael Mosse * 4.5.1877 (Lessen/heute Łasin, Polen) – ✡ 5.6.1969 (Degania Bet, Israel)
  • Mutter: Julie Alexander * 1.3.1891 (Stargard/heute Polen) – ✡ 1947 (Jerusalem, Israel); Heirat 1913 in Stolp/heute Słupsk, Polen
  • Bruder: Kurt Mosse/David Yitzhak [Jizchak] Inbar * 10.4.1914 – ✡ (Degania Bet, Israel
  • Schwester: Vera Mosse * 2.9.1919 (Stolp/heute Słupsk, Polen) – ✡ 22.1.1993 (Dunedin, Neuseeland); verh. 1946 in Manchester, Großbritannien mit William Valentin David Bartlett * 25.8.1922 (Christchurch City, Neuseeland) – ✡ 6.2.1970 (Christchurch City, Neuseeland)
  • Schwester: Alice Mosse * 28.8.1920 (Stolp) – ✡ 6.4.2006 (London, Großbritannien); verh. 1951 in London, Großbritannien, mit Arthur L. Kershaw * 25.7.1903 (Blackburn, Großbritannien) – ✡ 8.8.1958 (Blackburn, Großbritannien)
  • Ehefrau: Lilian/Lila Steiner * 1927 (Čadca/heute Slowakei) – ✡ 2020 (Israel); Heirat im Juni 1959 in Tel Aviv
  • Tochter: Margalit Mosse, verh. Friedberg * ca. 1962 (Israel)
  • Onkel: Nathan Mosse * 19.2.1879 (Lessen/heute Łasin, Polen) – ✡ 2.1.1949 (Sao Paulo, Brasielien); verh. im September 1936 mit Edith Fritzi Poldi Wasserzug, geb. Weiss * 23.10.1898 (Berlin); wandern 1939 nach Brasilien aus
  • Tante: Meta Mosse, verh. Gruenthal
  • Tante: Hulda Hedwig Mosse
  • Tante: Else Mosse
  • Tante: Emma Alexander, verh. Panthauer

QUELLEN

Vielen Dank an Henriko Sagert